„Lernen“ trifft es nicht ganz
ChatGPT hat inzwischen ein Gedächtnis, das sich über Gespräche hinweg Dinge über dich merkt: deinen Namen, deine Rolle, laufende Projekte, Vorlieben. Verwalten kannst du das in den Einstellungen. Von gestern auf heute kann also durchaus etwas „ankommen“.
Aber das ist gespeicherter Kontext, kein echtes Lernen. Das Modell wird nicht klüger über deine Marke, es bekommt die hinterlegten Infos beim nächsten Mal nur wieder vorgelegt. Für deinen Ton heißt das: Du triffst ihn am zuverlässigsten, wenn du echte Beispiele mitgibst, egal ob im Gedächtnis hinterlegt oder direkt im Prompt. Im selben Gespräch ahmt ChatGPT einen Ton erstaunlich genau nach, sobald es eine Vorlage hat.
Was deinen Ton ausmacht, in Worten
Bevor das Modell deinen Ton treffen kann, hilft es, ihn selbst in Worte zu fassen. Drei Fragen reichen meistens.
- Wie nah? Siezen oder duzen, distanziert oder kollegial, sachlich oder zugewandt.
- Wie viel Schmuck? Nüchtern und knapp, oder bildhaft und erzählend.
- Was meidest du? Buzzwords, Ausrufezeichen, Superlative, Anglizismen, das, was eben nicht nach euch klingt.
Schreib das in zwei, drei Sätze. Dieser kurze Steckbrief plus ein, zwei echte Textbeispiele bringen mehr als jede ausgefeilte Formel. Wie du Beispiele in Prompts einbaust, steht auf der Seite Prompts für Marketing-Texte.
Wie du den Ton einmal hinterlegst, statt ihn ständig zu wiederholen
Wenn du regelmäßig mit ChatGPT schreibst, lohnt es sich, den Ton fest zu hinterlegen. Drei Wege, von schnell zu gründlich.
- Custom Instructions. Dein Ton-Steckbrief in den Einstellungen. Gilt dann in jedem Chat, ohne dass du ihn wiederholst.
- Eigenes GPT oder Projekt. Beispiele und Regeln gebündelt an einem Ort. Praktisch, wenn mehrere im Team denselben Ton brauchen.
- Beispiel direkt im Prompt. Der schnellste Weg für einmalige Aufgaben: ein Beispiel mit reingeben, fertig.
Egal welcher Weg, das Herzstück bleibt dasselbe: Beschreibung plus echtes Beispiel. So sieht ein einfacher Ton-Block aus, den du oben anhängen kannst.
Wo die Grenze liegt
Zwei Dinge solltest du nicht erwarten. Erstens deinen Ton aus dem Nichts: Ohne Beispiel landest du beim höflichen Durchschnitt, egal wie gut du ihn beschreibst. Beschreiben und Zeigen sind zwei verschiedene Dinge, und das Modell braucht beides.
Zweitens hundertprozentige Konstanz: Über viele Durchläufe driftet der Ton, gerade bei längeren Texten. Das ist kein Drama, solange du gegenliest und gezielt korrigierst, statt am Ende einen ganzen Text neu zu würfeln.