Warum der erste Versuch fast immer nach Newsletter-Vorlage klingt
Eine Sache vorweg, weil sie fast alles entscheidet: Das Problem ist selten ChatGPT, sondern das Briefing.
Wenn du „schreib mir einen Newsletter über Thema X“ eingibst, bekommst du genau das zurück: einen sauberen, höflichen Text, der für jede beliebige Firma funktionieren würde. Schön gleichmäßig, und genau deshalb klickt kaum jemand ein zweites Mal darauf.
Der Grund dahinter ist simpel. Jede Lücke, die du im Briefing offen lässt, füllt das Modell mit dem Durchschnitt aus Millionen anderer Texte auf. Du bekommst also nicht deinen Newsletter, sondern den statistisch wahrscheinlichsten, und der ist eben farblos. Die gute Nachricht steckt im selben Gedanken: Fast der ganze Unterschied entsteht, bevor du den ersten Prompt abschickst.
Der Workflow in drei Schritten
Den einen perfekten Prompt, der dir den fertigen Newsletter ausspuckt, gibt es nicht, jedenfalls nicht für Texte, die wirklich nach dir klingen sollen. Was bei mir dagegen zuverlässig läuft, sind drei kleine Schritte, zwischen denen ich kurz mitlese. Das klingt nach mehr Aufwand, ist am Ende aber weniger, weil du keinen glatten, leicht falschen Text mehr mühsam geradeziehen musst.
Schritt 1: Rohstoff sammeln, nicht erfinden lassen
Bevor ChatGPT loslegt, braucht es etwas zu arbeiten: die zwei, drei Punkte, die in die Ausgabe sollen, ein echtes Beispiel, den Anlass. Dieses Material lieferst du, nicht das Modell. Lässt du es selbst „Inhalte“ finden, erfindet es welche, die plausibel klingen und trotzdem frei erfunden sind. Im Zweifel fällt dir das erst spät auf.
Schritt 2: Briefen und einen Rohentwurf ziehen
Jetzt kommt das eigentliche Briefing (gleich mehr dazu) zusammen mit deinem Material. Erwarte hier noch keinen fertigen Text, sondern einen Rohentwurf, an dem du siehst, ob Richtung und Struktur stimmen.
Schritt 3: Nachschärfen, nicht neu würfeln
Der häufigste Fehler an dieser Stelle ist ein knappes „mach’s besser“. Dann würfelt das Modell neu, und der Ton rutscht jedes Mal woanders hin. Besser fährst du mit konkreten Hinweisen: „Der Einstieg ist zu allgemein, häng ihn an das Beispiel mit X.“ Oder: „Streich den mittleren Absatz, der wiederholt nur den ersten.“ So bleibt deine Stimme erhalten, statt bei jedem Durchlauf neu zu kippen.
Das Briefing, das den Unterschied macht
Ein gutes Briefing klärt fünf Dinge, bevor das Modell schreibt: wer schreibt, wer liest, was entstehen soll, in welchem Format, und woran du gute Qualität erkennst. Der letzte Punkt bringt am meisten und fehlt fast immer.
Gib dem Modell ein, zwei Sätze aus einem Newsletter, der dir gefällt, am liebsten einen eigenen. ChatGPT trifft fremde Tonarten erstaunlich gut, aber nur, wenn es weiß, wohin es soll.
Wo ChatGPT beim Newsletter nicht weiterkommt
Damit das hier ehrlich bleibt: Es gibt ein paar Stellen, an denen dich das Tool im Stich lässt. Drei davon lohnt es sich zu kennen.
- Markenton ohne Vorlage. Ohne ein Beispiel triffst du nur den Durchschnitt, nicht deine Stimme. Daran ändert auch der cleverste Prompt nichts.
- Aktuelle Fakten. Zahlen, Termine und Produktnamen prüfst du besser selbst. Ein falsches Datum im Newsletter kostet mehr Vertrauen, als die gesparte halbe Stunde je wert war.
- Die eigentliche Idee. Den Aufhänger, der eine Ausgabe trägt, findest in der Regel du. ChatGPT formuliert ihn schön aus, aber finden muss ihn ein Mensch.